55 für 43.000 am 8.3.21: Pflegeaufstand-Demo in den Sommer verschoben

Das Pflegebündnis „Pflegeaufstand Rheinland-Pfalz“ hat auf einem Videoratschlag am 21. Dezember entschieden, in Anbetracht der ernsten Corona-Lage am 8. März zu einer ganz besonderen Aktion nach Mainz aufzurufen. Dafür will man die für den 20. März geplante Demonstration „aus Verantwortung und Respekt“ in den Juli verschieben.

Julia Christina Stange, eine der Sprecherinnen des Bündnisses, erläutert, dass man von jeder der 55 Einrichtungen in Rheinland-Pfalz, die den Pflegeaufstand unterstützen, lediglich eine Person nach Mainz delegiere. „Wir werden dann im Gänsemarsch durch die Stadt zum Landtag ziehen und dort den Fraktionen noch vor der Landtagswahl unsere Forderungen übergeben. Angesichts der aktuellen Infektionslage möchten wir im März keine größere Zusammenkunft organisieren,“ informiert die Fachkinderkrankenschwester der Unimedizin.

Der Gründer der Initiative Pflegekräfte in Not Stefan Heyde findet, dass Covid-19 „wie in einem Brennglas deutlich macht, ohne den Pflegenotstand zu bekämpfen sind wir auf Dauer nicht in der Lage die Lage zu bewältigen,“ so der in der Altenpflege arbeitende Sprecher des Bündnisses.

Auch die Pflegefachfrau Anja Grossmann gehört zum Sprecherkreis. Sie berichtet, dass die Pflegepersonen aktuell extrem durch die Pandemie gefordert seien. „Sie bringen vollen Einsatz, aber sie vermissen Weichenstellungen, damit sich ihre Situation grundlegend bessert. Es muss mehr geben als warme Worte jetzt zur Weihnachtszeit.“

Die OP-Schwester Daiana Neher, ebenfalls eine der Sprecherin, findet die Aktion am internationalen Frauentag „sehr Corona gemäß. Wir werden mit lediglich 55 Personen für die 43.000 Pflegepersonen in Rheinland-Pfalz sprechen und in einer Art Polonäse mit Mund-Nasenschutz und Abstand deutlich machen, dass wir uns nicht alles gefallen lassen. Wenn Pflege am Frauentag aufsteht, dann sind das die nicht wertgeschätzten Frauen.“

Der ver.di-Pflegebeauftragte Michael Quetting, dessen Gewerkschaft die Aktion der Pflegepersonen ebenfalls unterstützt, berichtet von 10.000 Pflegepersonen, die allein in Rheinland-Pfalz fehlen würden. „Um den Notstand zu beseitigen braucht es eine Kehrtwende. Die Pflege darf nicht nach wirtschaftlichen Kriterien immer weiter ausgedünnt und geschwächt werden. Wir brauchen eine Orientierung am Bedarf der uns anvertrauten Menschen. Um dies zu erreichen müssen die Pflegesysteme umgebaut, die Arbeitsbedingungen der Pflegenden und die Bezahlung entscheidend verbessert werden. Dieser Umbau muss jetzt beginnen.“

Das Bündnis Pflegeaufstand hat sich auf vier Forderungen verständigt:

  1. Wir fordern mehr Personal und verbindliche Personalvorgaben für alle Bereiche der professionellen Pflege.
  2. Wir verlangen, dass keine Pflegefachperson mehr alleine im Dienst ist!
  3. Wir erwarten eine tarifliche Bezahlung für alle und deutlich mehr Gehalt.
  4. Wir benötigen eine bedarfsgerechte Finanzierung. Das DRG-System für die Krankenhäuser ist abzuschaffen. Für die Altenpflege wollen wir eine solidarische Pflegegarantie.

3 Kommentare

  1. Ich identifiziere mich voll mit den grundsätzlichen Forderungen des Bündnisses.
    Ich erlebe tagtäglich den Spagat zwischen Realität und Anspruch in der Intensivpflege. Gerade die Pandemie zeigt deutlich die Mängel auf, die es schon vor der Pandemie gab. Ich erkenne aber auch eine Chance etwas zum Positiven zu verändern. Ich werde vielleicht diese Veränderungen nicht alle mehr miterleben, denn es liegen nach 42 Jahren in der Krankenpflege davon 30 Jahre auf Intensivstation mehr Dienstjahre hinter mir als vor mir. Ich wünsche mir jedoch für meine jüngeren Kollegen und Kolleginnen und die Patienten bessere Bedingungen. Nur so können wir in Zukunft Menschen gewinnen,die den Beruf der Krankenpflege wählen und sinnvoll ausfüllen.

  2. Hallo zusammen,
    möchte sehr gerne ein Teil dieser tollen Initiative sein, um uns klar zu positionieren für dringend nötige Verbesserungen in der Pflege!!
    Gruß Anne Jacobi-Wirth
    Gr

  3. Wo bleibt da die „angeblich demokratisch installierte Pflegekammer“? Hat wohl wenig Interesse an ihren Zwangsmitgliedern?

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